Frontend-Entwicklung hat in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Fragmentierung erlebt. Kaum ein Bereich der Softwareentwicklung bringt in so kurzer Zeit so viele neue Frameworks hervor wie der Bereich der Web-UIs. Und da frage ich mich: Wie viele reaktive Frameworks brauchen wir eigentlich – und welches davon ist für ernsthafte, langlebige Anwendungen wirklich geeignet?
Klar ist für mich: Wer große Software baut, kann sich nicht an Marketingversprechen, syntaktischen Vorlieben oder kurzfristigen Trends orientieren, sondern an klassischen Architekturwerten: Modularisierung, Wartbarkeit, Testbarkeit, Skalierbarkeit, Teamfähigkeit und langfristige Erweiterbarkeit. Diese Kriterien bestimmen, ob ein System wächst oder bricht, ob mehrere Teams parallel produktiv arbeiten können oder im Code gegeneinander kämpfen, und ob ein UI über Jahre stabil bleibt oder schrittweise unwartbar wird.
Welches Framework hat hier die Nase vorn? Jenseits vom momentanen Hype? Sehen wir uns das mal genauer an.
Performance und Bundlegröße sind die rein technische Seite. Aus architektonischer Sicht ist aber viel wichtiger, wie frei UI eigentlich komponiert werden kann. Enterprise-Anwendungen benötigen dynamische UI-Muster, die sich aus Daten, Regeln, Berechtigungen und Konfigurationen ableiten. Ich will im Folgenden ein paar Beispiele für solche Muster bzw. Teile davon geben:
Render-Funktionen ermöglichen programmatische UI-Erzeugung. Formulare, Dashboards oder Tabellen entstehen häufig nicht statisch, sondern aus Schemas oder externen Konfigurationen. Damit UI zur Laufzeit erzeugt werden kann, muss es wie ein Wert behandelbar sein.
React kann dies unmittelbar, Svelte und Vue dagegen nur eingeschränkt oder über syntaktische Umwege. Das liegt hauptsächlich daran, dass JSX für React ein elementares, allgemeines Sprachkonstrukt ist, während die Template-Sprachen von Vue und Svelte nur innerhalb von Komponenten überhaupt existieren.
HOCs lösen das klassische Problem von Cross-Cutting Concerns wie Logging, Permissions, Feature Flags oder Fehlerbehandlung. Ohne HOCs (oder ein äquivalentes Pattern) wird solche Logik im gesamten Code verstreut und schwer wartbar.
React unterstützt HOCs nativ; Vue kann es nur bedingt; Svelte gar nicht in idiomatischer Form.
Viele Systeme erzeugen UI aus Konfigurationen, nicht aus statischem Markup. React erlaubt die direkte Transformation von Daten in UI-Ausdrücke.
Svelte und Vue benötigen für jede Variante eigene Komponenten-Dateien oder nutzen schwergewichtige Workarounds.
Für modulare, skalierende Architekturen müssen Komponenten wie Werte behandelbar sein:
React ermöglicht das vollständig. Vue nur eingeschränkt. Svelte praktisch gar nicht.
Diese Muster sind nicht theoretische Konzepte; sie bilden die Grundlage für komplexe Business-Anwendungen, Low-Code-Plattformen, CMS-Editoren, CRM-UIs und BI-Dashboards. Ein Framework, das diese Muster nicht gestattet, stößt in wachsender Komplexität schnell an strukturelle Grenzen.
Frameworks wie Svelte werben mit Einfachheit. Vieles funktioniert scheinbar ohne zusätzlichen Code oder explizites Verständnis reaktiver Mechanismen. Diese Einfachheit hat jedoch ihren Preis: Sie entsteht durch Magie – also implizite Regeln und automatische Mechanismen, die nicht auf explizite Spracheigenschaften zurückgehen.
Sveltes Reaktivität funktionierte lange über Compiler-Analyse („$“-Reaktivität). Änderungen wurden automatisch erkannt und UI-Updates generiert. Das fühlt sich leicht an, führt aber in größeren Systemen zu Problemen:
Das ist für kleine Komponenten angenehm, aber in Enterprise-Systemen riskant, weil die Logik nicht transparent bleibt.
Mit Svelte 5 führte das Framework „Runen“ ein – deutlich explizitere Mechanismen, die React-Hooks sehr ähneln. Die Magie wurde reduziert, aber damit stellt sich die Frage:
Wenn sich Svelte in Richtung React bewegt – welchen Vorteil liefert es dann noch?
Man erhält:
Am Ende verschwinden die ursprünglichen Alleinstellungsmerkmale, ohne Reacts vollständige Ausdrucksstärke zu erreichen. Das Framework verliert gerade jene Eigenschaften, die es interessant gemacht haben – gewinnt aber nicht die Eigenschaften, die Enterprise-Anwendungen benötigen.
In Summe lässt sich feststellen, dass viele reaktive Frameworks dieselben grundlegenden Probleme zu lösen versuchen, aber auf Wegen, die langfristig nicht zu einer höheren architektonischen Qualität führen.
Svelte bietet syntaktische Eleganz, Vue bietet ein strukturiertes Ökosystem – aber beide bieten nur eingeschränkte Kompositionsmöglichkeiten und verlieren an Ausdruckskraft, sobald Anwendungen modular, konfigurierbar oder dynamisch werden sollen.
React dagegen:
React löst damit nicht jedes Spezialproblem perfekt, aber es löst alle Standardprobleme verlässlich – und zwar ohne strukturelle Sackgassen.
Wir brauchen nicht unendlich viele neue reaktive Frameworks. Wir brauchen Werkzeuge, die den zentralen Architekturwerten guter Software folgen: Modularisierung, Wartbarkeit, Testbarkeit, Skalierbarkeit und klare Komposition.
React ist nicht perfekt, aber es ist das Framework, das diese Werte am konsequentesten operationalisiert. Es ermöglicht dynamische und modulare Muster, die für komplexe Anwendungen unverzichtbar sind. Es reduziert Magie, erhöht Transparenz und lässt Entwicklern die volle Ausdrucksstärke von JavaScript.
Für kleine Experimente sind andere Frameworks spannend, aber für langfristig wachsende Anwendungen ist React die plausibelste Standardlösung – nicht wegen Hype, sondern wegen Architektur.
React ist damit weniger eine Modeerscheinung als ein Fundament: Ein Werkzeug, das die meisten reaktiven Probleme auf eine robuste, verständliche und nachhaltige Weise löst.
Wenn du willst, kann ich diesen Artikel weiter kürzen, sprachlich glätten oder in ein technisches Blogformat mit Überschriften, Zitaten und Codebeispielen bringen.